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Workshop: e-learning Plattformen. Merkmale, Auswahl und Einsatz

13./14. November 2001 · Köln · KOMED-Haus im MediaPark


Begrüßung

Grußwort von Frau MD Dorothee Dzwonnek, Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen zur Eröffnung der Veranstaltung "e-learning Plattformen - Merkmale, Auswahl und Einsatz" am 13.11.2001 im KOMED-Haus (MediaPark Köln)

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

"Virtuelle Universitäten", "E-Learning", "Neue Medien in der Bildung" - das sind Schlagworte, die in der aktuellen Hochschuldebatte immer wieder auftauchen. Das Thema "Neue Medien in der Bildung" wird fast täglich in Workshops, Konferenzen und Hochschulgremien diskutiert. Ich freue mich, dass diese Veranstaltung heute hier in Köln trotz dieser vielen alternativen Veranstaltungen eine so große Resonanz gefunden hat, und begrüße Sie sehr herzlich im Namen der Ministerin für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen.

Bevor ich dem Inhalt der Veranstaltung (in der Fachsprache also dem "content") ein paar Gedanken widme, möchte ich mich sehr herzlich bei den Organisatoren dieser Veranstaltung, den Beteiligten der Initiative CampusSource und des Projektträgers Neue Medien in der Bildung in der Fraunhofer-Gesellschaft, bedanken (die sozusagen die Infrastruktur oder Plattform geschaffen haben). Zum Gelingen des Workshops werden aber auch die zahlreichen Referenten beitragen, denen ich an dieser Stelle bereits für Ihr Engagement danken möchte.

Mit dem Thema "E-learning Plattformen - Merkmale, Auswahl und Einsatz" haben die Initiative CampusSource und der Projektträger des Bundesforschungsministeriums für das Förderprogramm "Neue Medien in der Bildung" offenbar das richtige Thema zum richtigen Zeitpunkt aufgegriffen. Der Begriff Lernplattformen soll in dieser Veranstaltung - wenn ich mir den Ablauf anschaue - als die notwendige technische und organisatorische Infrastruktur der Hochschulen verstanden werden, die erforderlich ist, um neue Medien für die Lehre und für das Lernen einsetzen zu können.

Auch in unserer hochschulpolitischen Diskussion und Strategie in Nordrhein-Westfalen sehen wir den Unterschied zwischen diesen Infrastrukturen und dem sogenannten Content, der vermittelt oder kommuniziert werden muss. Während sich für die Entwicklung der Infrastrukturen in erster Linie die technisch orientierten Fächer in den Hochschulen interessieren, sind die Lernplattformen doch für alle Fakultäten eine unabdingbare Voraussetzung. Die Phase der Entwicklung, in der wir uns nach meiner Auffassung gegenwärtig befinden, ist jedoch dadurch gekennzeichnet, dass die Software, die den virtuellen Campus möglich macht, nach wie vor eine gewisse Expertise verlangt, um sie zu nutzen. Der Einsatz neuer Medien in der Breite wird erst dann gelingen, wenn die "Technologieverliebtheit" eines Entwicklers nicht mehr die treibende Kraft ist sondern das Bedürfnis der breiten Nutzerschar.

Beide Entwicklungen - die der Infrastrukturen wie auch die der Contententwicklung - erfordern erhebliche Anstrengungen, die wir auf Landesebene seit 1997 mit über 24 Mio. DM zusätzlicher Mittel in den Hochschulen unterstützt haben. Darin enthalten sind bis heute auch rund 3,4 Mio. DM für die Initiative CampusSource. Die Länder - und hier darf ich wohl auch stellvertretend für die anderen Bundesländer sprechen - begrüßen es natürlich außerordentlich, dass sich der Bund mit der Ausschreibung "Neue Medien in der Bildung" seit dem letzten Jahr maßgeblich engagiert, und gemäß Bund-Länder-Vereinbarung in den Jahren 2001 bis 2003 insgesamt über 145 Mio. DM für die "Förderung der Entwicklung neuer Medien für die Anwendung in der Lehre an Hochschulen" ausgeben wird. (Anm.: Artikel 5 der BLV zur Förderung der Weiterentwicklung von Hochschule und Wissenschaft sowie zur Realisierung der Chancengleichheit für Frauen in Forschung und Lehre [http://www.bmbf.de/623_1628.html])

Lassen Sie mich zum Thema Lernplattformen zurückkehren. Die Fragen, die sich jede Bildungseinrichtung bei der Erarbeitung eines Konzeptes für die technische und organisatorische Infrastruktur stellen muss, sind: Wo stehen wir und wo wollen wir hin? Und dann vor allem: Wie wollen wir dorthin kommen? Dies sind strategische Entscheidungen, die jede Hochschule unter ihren spezifischen Rahmenbedingungen treffen muss. Aber ein gewichtiger Aspekt muss stets die Kompatibilität eines technischen Systems oder Teilsystems im Vergleich zu denen anderer Bildungseinrichtungen oder im Vergleich zwischen verschiedenen Organisationseinheiten innerhalb ein und derselben Hochschule sein. Dies wird heute in den Vorträgen und Diskussionen eines der Kernthemen sein. Wir müssen Medienbrüche in der virtuellen Welt vermeiden.

Das Bildungsministerium Nordrhein-Westfalens wird diesen Punkt auch in seinen weiteren Diskussionen mit den Hochschulen einbeziehen. Wir haben begonnen, die Entwicklung des Einsatzes neuer Medien in den Hochschulen in einem kritischen Dialog mit den Hochschulleitungen und den Landesrektorenkonferenzen der Universitäten und Fachhochschulen unter strategischen Gesichtspunkten zu diskutieren. Im Ergebnis streben wir bis zum Frühjahr des kommenden Jahres Zielvereinbarungen an, die allen Beteiligten eine klare Orientierung geben sollen. Wir werden die Aktivitäten der Hochschulen im Lande auf dieser Basis und insbesondere in struktureller Hinsicht gezielt weiter unterstützen.

Wenn wir dabei auf das Erreichte aufbauen wollen, wird die Frage der Plattformwahl sicher die Frage nach einer Kompromisslösung zwischen Extremen sein. Ich meine damit, dass es weder eine völlig einheitliche kommerzielle Lösung für alle Hochschulen geben wird noch eine beliebig bunte Landschaft von Eigenentwicklungen, die wir uns nicht leisten können und wollen und die unter den bereits genannten Gesichtpunkten keinen Sinn machen würden. Mit der Landesinitiative CampusSource haben wir jedoch einen sehr guten Anfang für das weitere Vorgehen geschaffen. Wir haben die Erfahrungen der Hochschulen zusammengeführt, die über umfangreichere Plattformen oder größere Teilsysteme verfügen. Wir haben mit der Initiative das Thema zum Thema gemacht, und zwar in sichtbarer Weise auch über die Landesgrenzen hinaus und mit der Offenheit, die diesem globalen Thema gebührt. Und wir haben sozusagen eine Börse geschaffen, über die die von den Hochschulen entwickelte Software anderen kostenfrei unter den Bedingungen des OpenSource-Codex weitergegeben wird.

Ich denke, Ihre Diskussionen heute und morgen werden zeigen, dass die Welt der technischen Infrastrukturen in den Hochschulen sehr heterogen ist. Gleiches gilt auch für die Organisationsstrukturen und damit die Interessen der Nutzer - der Studierenden und der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Der Vergleich einer Lernplattform mit einer Verkehrsinfrastruktur zeigt in vielerlei Hinsicht, wie wir mit einer solchen Komplexität umgehen können. Trotz der Vielfalt von Straßen, Fußwegen, Schienen- und Wasserwegen und trotz der Vielfalt der Beförderungsmittel funktioniert ein Ganzes, weil ein Mindestmaß an Konventionen und Regeln dies gewährleisten. Und dennoch ist die Entwicklung eigentlich nie abgeschlossen sondern eine ständige Optimierung.

Dieser Veranstaltung wünsche ich nun einen erfolgreichen Verlauf, wobei ich es als Erfolg betrachten würde, wenn Sie aus den Diskussionen dieses Mindestmaß an Konsens zu den Lernplattformen mitnehmen und bei Ihren zukünftigen Entscheidungen berücksichtigen würden. Da wir es auch hier mit einem Entwicklungsprozess zu tun haben, der immer wieder neue Aufgaben und Herausforderungen stellen wird, würde ich es sehr begrüßen, wenn diese Veranstaltung den Auftakt für eine kontinuierliche Diskussion und konstruktive Zusammenarbeit darstellt.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.